Tiny Winter und Home Office

Die ersten Sonnenstunden des Jahres 2021 sind da und ich genieße sie (sogar ab und an schon auf der Terrasse). Ich möchte aber kurz noch mal ein paar Tage zurückblicken, denn es gab Anfang des Jahres was durchaus Ungewöhnliches: Winter. Ja nee, nicht die Jahreszeit an sich, sondern so einen richtigen mit niedrigen Temperaturen und Schnee. Doch dazu gleich mehr.

Das zweite Thema, was ich in dem Zuge mit betrachten möchte ist das Thema Home Office im Tiny House. In der Hinsicht habe ich im vergangenen Jahr einiges an Erfahrung sammeln dürfen und möchte diese hier gern teilen.

Los geht‘s.

 

Winter – das wird doch kalt in einem Haus mit so dünnen Wänden

Jepp, vollkommen richtig. Es wird richtig kalt in solch einem Haus. Vor allem, wenn man nicht heizt. Es ist ebenso richtig, dass die dünnen Wände wenig Energie speichern und aufgrund der dünneren Dämmung – bei mir sind es sechs cm in der Wand – die große Kälte auch nicht vollständig abhalten, geschweige denn die Wärme zu 100% im Haus behält. Das ist physikalisch schlichtweg nicht möglich. Würde es für die Tiny Houses on Wheels mit Straßenzulassung die Begrenzung auf 2,55m Breite nicht geben, dann hätten wohl alle Häuser deutlich dickere Wände. So muss immer zwischen maximalem Platz, maximaler Dämmung abgewogen und ein gesundes Mittelmaß gefunden werden. Für mich habe ich das für den Moment mal gefunden, denn ich bin mit dem Haus so wie es ist, zufrieden.

Dieser Winter hat es uns für ein paar Tage gezeigt, dass die Temperaturen deutlich im zweistelligen Minusbereich liegen können. Das war teilweise so heftig, dass ich nicht mal mehr meine Nase zum Diesel Nachfüllen nach draußen stecken wollte. Diesel? Ja, Diesel!

Ich bin mir dessen bewusst, dass Diesel kein ökologisches Heizmittel ist. Ich bin mir weiterhin bewusst, dass es sich um einen fossilen Brennstoff handelt, der neben CO2 auch noch unschöne Feststoffe in der Luft hinterlässt. Wie passt das zum ökologischen Gedanken?

Nun, vermutlich gar nicht. Ich muss aber auch ganz ehrlich sagen, dass ich noch kein alternatives Heizsystem gefunden habe, was dem gerecht wird, was meine Heizung diesen Winter geleistet hat. Frische und dabei auch noch bezahlbare Ideen sind da gern willkommen.

Bevor es zu philosophisch wird, lassen wir kurz die Zahlen sprechen:

Abbildung zeigt den Dieselverbrauch vom 30.09.2020 bis 03.03.2021

In Summe sprechen wir Stand des Zeitpunktes der Erstellung dieses Textes von 154 Heiztagen in denen ich 200 Liter Diesel (also Heizöl) verfeuert habe. Gekauft habe ich bisher 230 Liter, d.h. ich habe noch 10 Liter in einem Reservekanister, 20 Liter befinden sich aktuell im Tank des Heizsystems.

Die Heizung verbraucht im Minimum 0,1 Liter pro Stunde, leistet dabei 0,8 kW. Im Maximum verbraucht sie 0,24 Liter und leistet dann etwa 1,8 kW. Da ich die exakten Heizstunden nicht gemessen habe und die Heizung beim Erreichen der Zieltemperatur in einen Ventilationsmodus geht, gehe ich von folgenden Annahmen aus: mit Start- und Stop-Zyklen rechne ich mit einem mittleren Verbrauch von 0,14 Liter pro Stunde. Das entspricht bei dieser Heizung einer Leistung von 1,06 kW. Gemessen am Dieselverbrauch komme ich rechnerisch so auf 1.429 Heizstunden, was einer Heizdauer von 9,28 Stunden pro Tag entspricht. Das kommt in etwa hin, wenn ich mir die Temperaturkurven der einzelnen Tage anschaue.

Ja, es sind 200 verbrannte Liter Diesel. Das ist schon ne Menge. Das sind aber auch gute drei Tankfüllungen eines handelsüblichen SUV. Okay, ich gebe zu, dass dieser Vergleich ein wenig hinkt.

Also nehmen wir die ermittelten Zahlen und wandeln sie in Stromverbrauch um, zum Beispiel anhand einer Infrarotheizung. In gut gedämmten Häusern geht man von einer Leistung von 60 Watt pro Stunde pro Quadratmeter aus, um das Gebäude zu heizen. Bei schlecht gedämmten Häusern geht man von etwa 100 bis 120 Watt pro Stunde pro Quadratmeter aus. Ich setze die ermittelten Zahlen in die nachfolgende Tabelle, um herauszufinden, wieviel Strom ich beziehen oder erzeugen müsste, um eine ähnliche Heizleistung zu erreichen:

  60 Watt pro qm 100 Watt pro qm
kW bei 18qm Grundfläche 1,08 kW 1,80 kW
kWh Verbrauch bei 1.429 Heizstunden 1.543 kWh 2.571 kWh
Kosten bei 0,42 €/kWh 648 € 1.080 €

Der Strom ist auf dem Platz mit 0,42 €/kWh nicht günstig. Somit rentiert sich die Infrarotheizung aus meiner Sicht keinesfalls. Selbst wenn ich den Endpreis einmal außer Acht lasse, ist der Stromverbrauch von irgendwas zwischen 1.500 bis 2.500 kWh nur für das Heizen aus meiner Sicht nicht akzeptabel.

Mit Gas komme ich auch nicht wirklich weiter, auch wenn wir hinsichtlich der Kosten vermutlich ähnlich liegen, wie bei der Dieselheizung. Ein Pelletofen kommt für mein Haus mit seiner geringen Grundfläche und damit wegen des geringen Raumluftvolumens nicht in Frage. Den Ofen einmal angeworfen, kann ich sofort das Fenster aufmachen und die Umwelt heizen. Was besser ist, was ökologischer und nachhaltiger ist, kann ich Stand heute immer noch nicht beurteilen. Für mich funktioniert mein Heizsystem. Auch wenn ich dafür ein Stück Umweltschädigung in Kauf nehme. Dessen bin ich mir bewusst.

 

Home Office - bleibt da noch Platz für Privates?

Nachdem wir nun das zahlenlastige Thema abgehandelt haben, kommen wir zum Thema Home Office. Home Office im Tiny House? Ein Widerspruch? Oder geht das doch?

Dank der Großereignisse der hinter uns liegenden Monate konnte ich eine intensive Verbindung mit meinem Haus eingehen. Ich habe nicht nur deutlich mehr Zeit im Home Office verbracht, nein ich habe in den letzten 12 Monaten auch deutlich mehr Zeit im Tiny House verbracht als je zuvor. Immer noch keine 100%, aber mit etwa 60 bis 70% meiner Zeit recht viel. Für jeden der es hier erst liest: ich habe eine Partnerin, die mit ihrem Kind in einer Wohnung lebt und ich verbringe sehr gern Zeit mit den beiden. Folglich kann ich in den Zeiten nicht im Haus sein, es sei denn, die beiden lieben Menschen besuchen mich. Gleichwohl ist das Häuschen mein persönlicher Rückzugsort und ich habe diesen Luxus in Zeiten von Corona sehr sehr zu schätzen gelernt. Mein Mitgefühl ist bei all jenen, die mit mehreren Personen auf kleinem Wohnraum leben müssen, kein grün um sich haben und somit vielleicht extremen Stresssituationen ausgesetzt sind. Ich bin sehr gespannt, welche Spuren die Pandemie in unserer Gesellschaft hinterlässt. Aber ich schweife ab. Zurück zum Home Office.

Mein Arbeitgeber hat innerhalb weniger Tage beinahe vollständig auf die Heimarbeit umgestellt. War es zu Beginn etwas holprig, so hat sich der Alltag im heimischen Büro beinahe zum Normalzustand etabliert. Und das geht auf dem kleinen Raum erstaunlich gut. Zum einen ist es eine organisatorische Sache: feste Bildschirmzeiten, feste Pausenzeiten und vor allem einen definierten Feierabend helfen hier. Darüber wurde bestimmt schon viel geschrieben. Das klappt bei mir extrem gut und ich habe mich auch damit abgefunden, die Kollegen teilweise nur über den Bildschirm zu sehen. Ich freue mich natürlich, wenn die Zeiten wieder anders werden und ich meine Kollegen wieder im Büro sehe, denn Nähe ist durch nichts zu ersetzen. Dennoch werde ich Fan des hybriden Arbeitens bleiben. Auch das ist wieder eine absolute Luxus-Situation, derer ich mir vollkommen bewusst und für die ich vor allem extrem dankbar bin. Gleichwohl finde ich den Gedanken sehr charmant, nur noch ins Büro zu müssen, wenn es wirklich erforderlich ist und alle anderen Tätigkeiten eben von zu Hause (oder wo auch immer zu erledigen). Und dieses Erledigen erfolgt im Tiny House mittlerweile auf verschiedenen Ebenen:

  • Sitzend am Wandklapptisch
  • Sitzend am freistehenden Tisch (klappbares Gestell mit aufgelegter Tischplatte)
  • Sitzend auf dem Sofa mit Laptop-Kissen
  • Stehend am Wandklapptisch
  • Stehend am freistehenden Tisch
  • Auf der Terrasse sitzend
  • Im Outdoor-Bett sitzend

Ich gehe mal fest davon aus, dass einige Menschen mit größeren Unterkünften ähnliche Aufzählungen liefern können. Für den kleinen Raum, den ich bewohne und selbst für die mit 80qm nicht gerade riesige Parzelle ist das eine ganz beachtliche Menge an Möglichkeiten. Dabei habe ich das Sitzen im Sessel noch gar nicht mit aufgeführt. Nun könnte man denken: schön, dass der so viele Möglichkeiten hat, aber man nutzt ja sowieso meist nur eine?

Es kristallisieren sich Lieblinge heraus, das ist richtig. Meine aktuellen Favoriten sind das Sitzen am Wandklapptisch und das Stehen am freistehenden Tisch. Das Stehpult ist übrigens ein zerlegbarer Tischaufsatz aus Holz. Finde ich persönlich mega. Dennoch stelle ich fest, dass ich die anderen Möglichkeiten immer mal wieder nutze. Allein, diese Möglichkeiten zu haben, gibt mir ein ganz deutliches Gefühl davon, dass es sich nicht um einen beengten Raum handelt. Es ist eben ein kleiner dafür aber hochflexibler Raum. Die Mehrfachnutzung der Fläche macht den Raum zu dem, was er ist. Wo eben noch der Tisch mit Stehpult stand, wird gleich das Bett ausgezogen. Wenn am Wandklapptisch gearbeitet wird, kann am freistehenden Tisch im Raum gegessen werden. Ich könnt damit jetzt noch ein bisschen weiter machen. Quintessenz ist jedoch, dass das Haus für mich zu jeder Tageszeit alle Möglichkeiten bereithält, die ich aktuell in meinem Leben brauche. Und damit ist es für den Moment perfekt.

 

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Bericht zum Herunterladen. Greif zu...

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