Eurobike 2019

Am 20.08. flatterte eine Nachricht von Felix in meinen digitalen Postkasten. Felix ist Marketing-Leiter bei einem der – für mich – innovativsten Fahrradhersteller, die es überhaupt nur gibt: my Boo stellt Fahrräder aus Bambus her. Diese habe ich schon im Jahr 2016 bewundert. Felix schrieb mir, dass er mit seinem Unternehmen eine Menge neuer Räder auf der Eurobike präsentieren würde. Nachdem mein letzter Besuch nun schon drei Jahre her war, besorgte ich mir ein Bahnticket und eine Karte für die Eurobike und folgte dem Ruf der Bambusfahrräder. Mit von der Partie war mein Brompton, in das ich mich im Jahr 2016 auf eben jener Messe nahezu unsterblich verliebt hatte. Verliebe ich mich auch dieses Jahr?

Um es kurz zu machen: nein. Es ist kein Rad dabei, was sich direkt in mein Herz gefressen hat. Zugegebenermaßen wird das bei mir auch immer schwieriger, da ich momentan ziemlich gut ausgestattet bin und mit der Auswahl meiner Räder mehr als zufrieden bin. Nachdem ich im April diesen Jahres mein Auto veräußert hatte, gesellte sich ein nicht faltbares Pedelec von Cube in meinen Fuhrpark. Auch wenn ich mit dem Rad beinahe fremd gehe (da es nicht faltbar ist), ist es gepaart mit einem Anhänger ein hervorragender Autoersatz. Mich trieb es dennoch auf die Eurobike. Warum? Weil ich Menschen treffen wollte und schauen wollte, wo die Reise des Fahrrads hingeht. Und so habe ich für mich doch ein paar spannende Dinge entdeckt.

 

Thema 1: Nachhaltigkeit

Eines der Themen, die mich im Alltag umtreiben ist die Nachhaltigkeit. Am nachhaltigsten ist definitiv das Produkt, was man weder braucht noch kauft. Soweit die Theorie. Doch gibt es Produkte, die mir das tägliche Leben leichter machen. Und natürlich schöner machen. Eines solcher Produkte ist und bleibt das Fahrrad – egal ob faltbar oder nicht. Nachdem ich die Jungs und Mädels von my Boo mit ihren Bambusfahrrädern besucht habe, weiß ich, dass das Material definitiv in die engere Auswahl kommt, wenn die Investition in ein neues Gefährt ansteht. Oder aber wenn es ein Gefährt gibt, bei dem ich schwach werde. Ein Kompaktrad mit ordentlich Ladefläche wäre definitiv ein Rad bei dem mein Herz schneller hüpft. Da es das aber noch nicht gibt, bestaune ich auf der Eurobike die Modellpalette der Fahrräder aus Bambus, die Stand heute da sind. Die Rahmen, die in Ghana in Handarbeit hergestellt werden sorgen dafür, dass Menschen in Afrika in Lohn und Brot stehen. Allein dafür würde es sich lohnen, solch ein Rad zu kaufen. Der Rahmen an sich ist aus dem schnell wachsenden Rohstoff Bambus.

Die Stellen, an denen bei Rädern aus Metall die Schweißnähte sitzen, hat my Boo mit formschönen harzgetränkten Verbindungen aus Hanf versehen. Spätestens jetzt wird aus jedem Fahrrad ein Unikat. Die Modellpalette der Bambusräder reicht dabei vom normalen City Cruiser über geländegängige Räder bis hin zu Pedelecs. Dazu werden die Fahrräder bei Bedarf mit tollen Accessoires geliefert: Schlösser aus Hanf, Griffe die aus Birkenrinde gefertigt sind oder Vollholzgriffe von Velospring. Die gefederten Velospring Griffe sind ein Traum – kann ich aus eigener Erfahrung sagen und die Griffe aus Birkenrinde zieren ab sofort mein Pedelec. Ja, die Griffe haben mich dann doch schwach gemacht.

In der Regel teile ich hier nur Erfahrungen mit Produkten, die ich selbst besitze und getestet habe . Warum schreibe ich also so ausführlich – schon zum zweiten Mal über die Fahrräder aus Bambus? Weil sie mich begeistern! Sowohl das Produkt, als auch das Konzept, als auch die Menschen, die dahinter stehen!

 

Thema 2: Radstil

Stil? Fahrrad? Jepp, zwei Begriffe, die unlängst zusammengehören. Spätestens seit wir Gewissheit haben, dass wir Menschen für die Erderwärmung mit verantwortlich sind und dank des drohenden Verkehrskollapses aufs Fahrrad als alternatives Verkehrsmittel angewiesen sind, ist das Rad mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Das Fahrrad drückt einen Lebensstil aus und stellt teilweise auch ein Stück Persönlichkeit dar. So ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Hersteller formvollendete Fahrräder im Angebot haben. Besonders begeistert haben  mich diesmal die Räder von coboc und Schindelhauer. Beide Hersteller haben Pedelecs im Angebot, bei denen kaum noch zu sehen ist, dass es sich um Vehikel mit elektrischer Unterstützung handelt. Bei Schindelhauer konnte man meiner Meinung nach sowieso noch nie von Vehikeln sprechen. Vielmehr baut dieses Unternehmen wahre Design-Ikonen. Ich habe aber auch staunend vor der großen Wand von Creme Cycles gestanden – ein Hersteller, den ich noch gar nicht auf dem Radar hatte. Die Fahrräder von Creme waren allesamt wunderschön gestaltete Räder für den urbanen Raum. Damit kann man sich definitiv sehen lassen. Nicht zuletzt wird dies von diversen Zubehörherstellern unterstrichen, denn Taschen und Körbe vollenden jedes Rad für die Stadt und den damit verbundenen Einkauf – am besten auf dem Wochenmarkt.

 

Thema 3: Ausgefallenes aus dem Radbereich

Benno. Ja, das ist nicht nur eine der Kurzformen männlicher Namen, die mit Bern... beginnen. Benno Bikes baut Fahrräder, die einen gewissen Mehrwert bieten. Einen solchen habe ich bei diesem putzigen Exemplar gefunden, das ich sofort mit in den nächsten Camping-Urlaub nehmen würde. Die Möglichkeit im Heck des Rades meinen Mokka zuzubereiten hat mir auf der Messe direkt ein Grinsen ins Gesicht gezaubert. In das Rad bin ich noch nicht verliebt, aber es ist definitiv eines, was einen gewissen Begeisterungseffekt hatte – und noch immer hat.

 

Thema 4: Faltbares (endlich) und nicht faltbares

Na endlich. Der Faltradler spricht über faltbare Räder. Ja, auch diese gab es auf der Eurobike zu bestaunen. Patrick von Boxbike hat mich mit in die Welt der Falträder von Tyrell genommen. Die Räder aus Japan folgen einem eher ungewöhnlichen Design. Das Design ist aber nicht willkürlich gewählt, sondern es verleiht den Rahmen eine außerordentliche Stabilität. Eine kurze Probefahrt bestätigte mir, dass es sich nicht um ein Werbeversprechen, sondern um Realität handelt. So ein Tyrell ist meiner Meinung nach eine gelungene Mischung aus einem Falter und einem Performance-Rad. Und genau das ist ein Tyrell auch: eine reine Fahrmaschine, die eine gewisse Alltagstauglichkeit hat und die nach Geschwindigkeit giert. Ungewöhnlich ist auch das Maß im gefalteten Zustand. Es liegt meiner Meinung nach irgendwo zwischen Brompton und Tern. Der Rahmen an sich wird nicht gefaltet, weshalb das Rad im eingeklappten Zustand eine gewisse Länge hat. Hier muss jeder persönlich schauen, was seine Anforderungen sind. Ich denke auf jeden Fall, dass es einen Markt für die Räder gibt und das sich ein Blick auf die Falter von Tyrell definitiv lohnt.

Ebenso lohnt sich für den einen oder anderen sicherlich der Blick auf das Brompton electric, welches wohl das kompakteste Pedelec darstellt. Was meine Aufmerksamkeit noch mehr erregte war ein Brompton, in dem eine Rohloff-Schaltung verbaut war. Meiner Meinung nach ist das eine unschlagbare Kombination in Sachen Haltbarkeit.

Zuletzt war ich noch auf dem Stand von Tern. Mit diesem Hersteller begann meine Faltrad-Karriere und Tern hat auch heute noch sehr spannende Falter im Angebot. Meine Aufmerksamkeit erregten aber die Räder mit den Bezeichnungen GSD und HSD. Beides Räder, die enorm nützlich sind und damit vermutlich in die Kategorie der Utility Bikes gehören. Wie man es auch dreht und wendet - beide Räder sind sehr vielseitig einsetzbar. Nicht zuletzt weil Tern ein großes Angebot an Zubehör für den ordentlich ausladenden Gepäckträger hat. Das gefällt mir! Bei beiden Rädern können Lenker und Sattel mit bekannten Tern-Mechanismen geklappt bzw. eingefahren werden, sodass das Fahrrad flach wird und entweder irgendwo drunter geparkt oder hochkant in die Ecke gestellt werden kann. Ich mag es, wenn die Produktdesigner praktisch denken und den Alltagsgegenständen einen gewissen Pfiff verleihen. Und so ist mein Fazit der diesjährigen Eurobike: es gibt einiges, was äußerst praktisch ist und damit den Umstieg vom Auto aufs Rad deutlich erleichtert.

 

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Bericht zum Herunterladen. Greif zu...

 2019-09_Eurobike.pdf


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