Klein muss kein Verzicht (auf Luxus) sein!

Es ist Donnerstag, 15:40 Uhr und ich sitze im Zug von Hamburg nach Frankfurt. Ich bin auf dem Rückweg von Mecklenburg nach Karlsruhe. Was ich dabei habe? Eine Tasche und ein Faltrad - das Brompton. Wenig Ballast. Dafür jede Menge Freiraum. Und ich komme mit jeder Menge Eindrücke und Gedanken zurück. Es gibt momentan wenig, worum ich mich kümmern muss, was mich belastet oder was meine Aufmerksamkeit "frisst".

Nicht falsch verstehen - ich gehe einer regelmäßigen Arbeit nach, deren Inhalt ich nach Verlassen des Firmengeländes versuche auch dort zu lassen. Ich kümmere mich um meine Partnerin und natürlich auch um ihr Kind, das bei uns wohnt. Dennoch bin ich frei, weil ich mich von vielem Materiellen getrennt habe. Die Räder brauchen ab und an einen Lappen und ein wenig Öl. Ansonsten sind sie sehr zufrieden. Der Rest meines Hab und Guts befindet sich in meinem Tiny House, dass von der Fläche her ja sehr überschaubar ist und worum ich mich kaum kümmern muss. Bereits auf der Fahrt in den Norden habe ich mich gefragt, ob mir etwas fehlt - nicht vom Kopf her ;-). Nein es fehlt mir überhaupt nichts. Seitdem ich das Brompton habe, habe ich es auf jeder Reise dabei und so denke ich erneut darüber nach, dass die Falträder der Beginn einer tollen Reise sind. Auf kleinen Rädern empfinde ich die ganz große Freiheit. An jedem erdenklichen Ort bin und bleibe ich mobil. Und das ohne auf andere Menschen angewiesen zu sein - ohne jemandem zur Last zu fallen.

Unabhängigkeit ist es, was mich antreibt. Diese Unabhängigkeit war es ja auch, die mich angetrieben hat, dass kleine Haus auf Rädern zu erwerben (da sind sie wieder, die Räder...). Auch im Tiny House habe ich schon gesessen und mich gefragt, ob ich irgendwas vermisse. Ich grübelte und grübelte und mir ist ehrlich gesagt noch nichts eingefallen. Für zwei oder drei Menschen ist es auf Dauer zu klein, das ist gar keine Frage. Aber darum geht es ja auch gar nicht, denn es ist mein Haus. Klingt egoistisch? Ganz und gar nicht, denn es entlastet wichtige Fragen in der Beziehung. Und ganz ehrlich: wer kann sein Haus schon von einem Ort zum anderen ziehen. Damit kann ich unabhängig vom Ort wohnen und bin wieder ein Stück freier - was die Wahl des Wohnorts und vielleicht auch die Wahl des Arbeitens angeht. Dennoch bin ich für den Moment gebunden. Das liegt aber mehr am Kopf und am Herzen. Gerade jetzt fühle ich mich pudelwohl. Was morgen ist? Keine Ahnung.

Was ist das also alles nun mit dem Kleinen und dem Wenigen? Ist das nur ein Trend? Hechte ich irgendwelchen Modebegriffen nach? Sicher, ich habe auch schon des öfteren den Begriff des Minimalismus verwendet. Minimalistisch bin ich in gewissen Formen auch, auf meine ganz eigene Art und Weise. So würde ich den Begriff auch verstanden haben wollen, denn Minimalismus sollte kein Wettbewerb sein und sich auch nicht so anfühlen. Drum zähle ich meine Gegenstände nicht. Allein der Besitz von drei Falträdern zeigt, dass ich in gewissen Dingen nicht ganz so minimalistisch bin. Nein, das ist meine Form von Luxus. Luxus, den ich mir leisten kann und leisten will. Kleine Räder (an den Falträdern und am Haus), die die große Freiheit für mich bedeuten und die mich letztlich glücklich machen. Ja, Glück. Der Luxus der Moderne. Und so hat mich vor kurzer Zeit ein Kollege sehr glücklich gemacht, als er zur verspäteten Einweihung des Tiny House gekocht hat. Sieben Gänge. Er hat einiges vorbereitet und vieles direkt vor Ort im Tiny House gekocht und gebrutzelt. Wir haben uns gefühlt wie der sprichwörtliche Gott in Frankreich. Gegessen haben wir im Freien unter Laternenlicht. Das Essen wurde vom passenden Wein und vom Rauschen des Bachs begleitet. Für mich war es ein Feuerwerk der Sinne. Und damit war es purer Luxus. Klein muss also gar kein Verzicht sein!


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